Harald Haarmann:
Die seltsamsten Sprachen der Welt. Von Klicklauten und hundert Arten, ich zu sagen.
Verlag C.H. Beck 2021, 206 Seiten, ISBN 978 3406 76726 5
Harald Haarmanns „Die seltsamsten Sprachen der Welt“ präsentiert in 49 kurzen, unabhängig lesbaren Kapiteln faszinierende und oft exotische Besonderheiten aus der Vielfalt der rund 7.000 Sprachen unserer Erde. Jede Sprache spiegelt dabei nicht nur die Welterfahrung, sondern auch das Denken und Fühlen ihrer Sprecher wider und unterscheidet sich – selbst innerhalb der eigenen Sprachfamilie – auf markante Weise von allen anderen.
So kennt das Khmer (Kambodscha) etwa 100 verschiedene Formen für das Wort „ich“, abhängig vom sozialen Status von Sprecher und Angesprochenem. Im Baskischen werden Verwandtschaftsbeziehungen besonders differenziert ausgedrückt. Das Ubychische (Kaukasus) kommt mit nur zwei Vokalen aus, verfügt aber über 80 Konsonanten. Vietnamesisch nutzt sechs Tonhöhen, die durch chinesischen Einfluss und französische Kolonialherrschaft mit Sonderzeichen verschriftlicht wurden. Die Saami (Lappland) unterscheiden über 20 Schneearten, die für die Rentierhaltung relevant sind, und im Somali existieren über 200 Wörter für Kamele – ein direkter Spiegel der Lebenswelt.
Neben diesen exotischen Sprachschätzen aus fernen Kulturen, finden sich bei Haarmann auch Sprachbesonderheiten in unserer unmittelbaren Nachbarschaft (das „behauchte h“ und das „stumme h“ im Französischen) sowie Erläuterungen über die Ursprünge deutscher Bandwurmsätze.
Die Kapitel sind in acht thematische Kategorien gegliedert: von ungewöhnlichen Lautsystemen über Kuriositäten in Grammatik und Satzbau, Wortschätzen, Zahlensystemen, Sakral- und Tabusprachen bis hin zu „geplanten Sprachen“ wie dem wiederbelebten Hebräisch, Esperanto oder Klingonisch.
Haarmann erläutert nicht nur die Hintergründe dieser sprachlichen Eigenheiten, sondern ordnet sie auch historisch und soziologisch ein. Dabei räumt er auch mit gängigen Klischees auf – etwa mit der Legende von den „100 Wörtern für Schnee“ bei den Inuit.
„Die seltsamsten Sprachen der Welt“ zeigt, wie Sprachen Welterfahrung, Kultur und Umwelt widerspiegeln – und dass es unzählige Wege gibt, die Welt in Worte zu fassen. Es ist ein Plädoyer für sprachliche Vielfalt und die Erkenntnis, dass jede Sprache ein eigenes „Weltsystem“ birgt, das mit ihrem Verschwinden verloren geht.
Umfangreiche Literaturhinweise und ein Register beschließen den Band.
→ Sprache
5. Februar 2026