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John Updike Terrorist John Updike:
Terrorist. Ro­man.
Deutsch von An­ge­la Prae­sent.
Rowohlt Verlag 2006, 397 Sei­ten, ISBN 978 3 498 06885 1

Im Zentrum des Ro­mans steht Ah­med Mul­loy, der acht­zehn­jäh­ri­ge Sohn ei­ner irisch-ame­ri­ka­ni­schen Mut­ter und ei­nes ägyp­ti­schen Va­ters, der als Aus­tausch­stu­dent in den USA weil­te, sei­ne Va­ter­rol­le aber nie wahr­ge­nom­men hat. Für Ah­med stellt er den­noch eine Be­zugs­per­son dar, die ihn dem Is­lam nä­her­bringt. In der he­run­ter­ge­kom­me­nen Fa­brik­stadt New Pros­pect, New Jer­sey, fühlt sich Ah­med von der ma­te­ria­lis­ti­schen, he­do­nis­ti­schen Ge­sell­schaft um ihn he­rum ab­ge­sto­ßen und sucht Halt im Glau­ben. Ein Imam der ört­li­chen Mo­schee nimmt sich sei­ner an und be­stimmt zu­neh­mend Welt­bild und Le­bens­füh­rung des Jun­gen. So ent­schei­det sich Ah­med, ei­ner der bes­ten Schü­ler sei­nes Jahr­gangs, ge­gen eine uni­ver­si­tä­re Aus­bil­dung und mel­det sich statt­des­sen für den Er­werb ei­nes Lkw-Füh­rer­scheins an.

Hier ahnt man be­reits den wei­te­ren Ver­lauf der Hand­lung, aber tut es Ah­med auch? We­der der des­il­lu­sio­nier­te Leh­rer und Be­rufs­be­ra­ter Jack Levy noch die schwar­ze Mit­schü­le­rin Jo­ry­leen, für die Ah­med star­ke Sym­pa­thie emp­fin­det, kön­nen ihn von sei­nem Ent­schluss ab­brin­gen. Als er ei­nen Job bei ei­ner li­ba­ne­si­schen Mö­bel­händ­ler­fa­mi­lie an­nimmt, wird er be­hut­sam an ei­nen An­schlags­plan he­ran­ge­führt, der ein Blut­bad zur Fol­ge hät­te. In­te­res­sant ist da­bei die Fi­gur des Char­lie Che­hab, ei­ner der Fir­men­chefs, der, ob­wohl er der Or­ga­ni­sa­tor des An­schlags ist, durch­aus welt­li­chen Be­dürf­nis­sen nach­gibt und Ah­med zu sei­ner ers­ten se­xu­el­len Er­fah­rung ver­hilft. Auf dem Weg zur Aus­füh­rung der Tat ge­lingt es dem sä­ku­la­ren Ju­den Jack Levy, auf den Bei­fah­rer­sitz des Lkw zu ge­lan­gen. Die letz­ten knapp drei­ßig Sei­ten be­ste­hen fast aus­schließ­lich aus dem Dia­log zwei­er Män­ner, die ge­gen­sätz­li­cher kaum sein könn­ten.

„Terrorist“ gilt als am­bi­tio­nier­tes, aber um­strit­te­nes Spät­werk Up­dikes. Die Fra­ge, ob ein 74-jäh­ri­ger, zu­tiefst ame­ri­ka­ni­scher Au­tor glaub­haft die In­nen­welt ei­nes ra­di­ka­li­sier­ten mus­li­mi­schen Teen­a­gers ent­wer­fen kann, ist bis heu­te um­strit­ten. Wahr­schein­lich kann er es eben­so we­nig wie ich. Als Kri­tik am ame­ri­can way of life ist das aber durch­aus über­zeu­gend. Und ich emp­fand es als aus­ge­spro­chen wohl­tu­end, dass Up­dike Ah­med als ru­hi­gen und nach­denk­li­chen Ju­gend­li­chen dar­stellt und nicht als ei­nen die­ser zor­ni­gen jun­gen Män­ner, de­ren Wort­schatz sich mit „Alla­hu ak­bar“ zu er­schöp­fen scheint, wie man sie al­lent­hal­ben in den Me­dien prä­sen­tiert be­kommt. Ich fand auch den Weg des jun­gen Ah­med in den Ter­ro­ris­mus, eher ein Ab­glei­ten als ein be­wusst be­schrit­te­ner Weg, sehr glaub­haft dar­ge­stellt. Die Schluss­sze­ne kon­ter­ka­riert dann al­ler­dings vie­les, was zu­vor aus kul­tur­kri­ti­scher Sicht in­fra­ge ge­stellt wor­den war.


7. September 2026

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