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Marina Iwanowna Zwetajewa (8. Oktober 1892 bis 31. August 1941)
In nahezu allen Biografien wird die gnadenlose Konsequenz betont, mit der Marina Zwetajewa ihr Leben gelebt hat. Wenige Jahre nach der Revolution von 1917 verließ sie mit ihrem Mann und einer kleinen Tochter die Sowjetunion und fand erst Jahrzehnte später wieder ein festes Zuhause. In der Zwischenzeit lebte die Familie in Deutschland, in der Tschechoslowakei und in Frankreich. Ihren Lebensunterhalt bestritt Zwetajewa mit Gelegenheitsarbeiten, da ihre Gedichte kaum etwas einbrachten. Sergei, ihr Mann, entwickelte sich in Paris vom überzeugten Antikommunisten zu einem Agenten des sowjetischen Geheimdienstes und musste fliehen, als er in einen Mord verwickelt wurde. Kurze Zeit später folgte ihm seine Familie in die Sowjetunion nach. Dort wurde Sergei bald inhaftiert und im Gefängnis erschossen, die inzwischen erwachsene Tochter wurde in ein Arbeitslager deportiert, aus dem sie erst nach 8 Jahren wieder entlassen wurde. Marina selbst erhängte sich, als sie befürchten musste, dass ihr Sohn ebenfalls verschwunden war. Wenige Tage vor ihrem Tod schrieb sie in ihr Tagebuch den Satz: „Seit einem Jahr suche ich nach dem Haken, um den ich meinen Strick schlingen kann.“ Die Wucht eines solchen Satzes haut mich um.
FÜR MAJAKOWSKI
Höher als Kreuz und Schlot,
Gekreuzigt in Rauch und Flimmer,
Erzengel, Lastgaul, hoch –
Gruß dir, ewig Wladimir!
Er ist Fuhrmann und Pferd,
Er ist Kopfstand und Gesetzbuch.
Er schnauft und krempelt das Hemd:
„Halt dich fest, schwerlastiger Dreckruhm!“
Angeber, dreckiger, grüß dich!
Sänger der Wunder der Straßen –
Ungeblendet von allen Brillanten
Nahmst du als Stein den Lastzug.
Pflastersteindonner, he!
Er gähnt, röhrt dich voll – und wieder
Schwenkt er die Deichsel, des
Überlasterzengels Flügel.
Übersetzt von Rainer Kirsch
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