Kassiber Karlheinz Deschner
Autoren Glossen Lyrik

Kriminalität im Christentum Karlheinz Deschner:
Kriminalgeschichte des Chris­ten­tums. Band 3: Die alte Kir­che. Fäl­schung, Ver­dum­mung, Aus­beu­tung, Ver­nich­tung.
Rowohlt Verlag 1990, 713 Sei­ten, ISBN 3 498 01285 1

Karlheinz Deschner (1924-2014) war ei­ner der schärfs­ten Kri­ti­ker der christ­li­chen Kir­chen, die er seit An­be­ginn ih­rer Exis­tenz für eine Viel­zahl von Ver­bre­chen ver­ant­wort­lich mach­te. Sei­ne dies­be­züg­li­chen For­schun­gen gip­fel­ten in der zehn­bän­di­gen „Kri­mi­nal­ge­schich­te des Chris­ten­tums“, die im 18. Jahr­hun­dert en­det. Wei­te­re Bän­de konn­ten aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den nicht mehr rea­li­siert wer­den [1].

Der dritte Band der „Kri­mi­nal­ge­schich­te“ bil­det eine Aus­nah­me in­ner­halb der Rei­he, da er im Ge­gen­satz zu den an­de­ren Bän­den nicht chro­no­lo­gisch, son­dern nach the­ma­ti­schen Ge­sichts­punk­ten struk­tu­riert ist. Die Schwer­punk­te die­ses Ban­des sind:

Fälschungen im Al­ten und Neu­en Tes­ta­ment.
Wunder- und Re­li­qui­en­be­trug.
Wallfahrtsschwindel.
Vernichtung von Bü­chern und heid­ni­schen Welt­an­schau­un­gen.

Fassungslos folgt man dem Au­tor durch die Jahr­hun­der­te und wird Zeu­ge da­von, mit wel­cher mo­ra­li­schen Ver­derbt­heit Macht und Pfrün­de ge­won­nen und ver­tei­digt wur­den. Die an heid­ni­sche Fe­tisch­kul­te er­in­nern­de Re­li­qui­en­ver­eh­rung war und ist durch­zo­gen von Be­trug und Be­rei­che­rung. Fe­dern und Eier des Hei­li­gen Geis­tes, di­ver­se Vor­häu­te [2] und Win­deln Jesu, Milch von der Jung­frau Ma­ria, zahl­rei­che Schä­del von Hei­li­gen, von de­nen ei­ni­ge mehr­köp­fig ge­we­sen sein müs­sen und an­de­ren, die nie ge­lebt ha­ben, sind eine He­raus­for­de­rung für gläu­bi­ge Men­schen, de­nen die Wahr­haf­tig­keit ih­res re­li­giö­sen Be­kennt­nis­ses noch nicht gänz­lich ab­han­den­ge­kom­men ist.

Gefälschte Do­ku­men­te, um un­recht­mä­ßi­ge Be­sitz­an­sprü­che gel­tend zu ma­chen, sind in­zwi­schen hin­läng­lich be­kannt. Aber auch re­li­giö­se Tex­te, die als ka­no­nisch gel­ten, wur­den nach­träg­lich der je­wei­li­gen Kir­chen­dok­trin „an­ge­passt“. Wun­der­sa­me Er­schei­nun­gen und ver­meint­li­che Hei­lun­gen be­grün­de­ten lu­kra­ti­ve Wall­fahrts­tra­di­tio­nen, selbst zu Or­ten, die schon in vor­christ­li­cher Zeit als hei­lig gal­ten. Man stülp­te al­lem ein­fach die christ­li­che Ter­mi­no­lo­gie über, und fer­tig war die Geld­ma­schi­ne.

Wie immer ist die Ma­te­ri­al­fül­le, mit der Desch­ner sei­ne An­schul­di­gun­gen be­legt, über­wäl­ti­gend. Auch wenn der ka­tho­li­schen Kir­che na­he­ste­hen­de Theo­lo­gen die eine oder an­de­re fal­sche Zu­ord­nung von Zi­ta­ten mo­nie­ren, steht doch die kri­mi­nel­le Ener­gie au­ßer Fra­ge, mit der über die Jahr­hun­der­te ge­täuscht, be­tro­gen und miss­braucht wur­de. Dass sich da­ran sub­stan­zi­ell nur we­nig ge­än­dert hat, be­legt der Um­gang – Leug­nung und Ver­tu­schung – mit den zahl­rei­chen Miss­brauchs­vor­wür­fen in der Ge­gen­wart oder die Ver­stri­ckung der Va­ti­kan­bank in ma­fiö­se Geld­ge­schäf­te.

Der Anhang des Bu­ches, in­klu­si­ve Fuß­no­ten, ei­nem um­fang­rei­chen Re­gis­ter so­wie ei­ner viel­sei­ti­gen Li­te­ra­tur­lis­te, um­fasst 118 Sei­ten.


1. Postum erschien von Desch­ner „Die Po­li­tik der Päps­te“, das das 19. und 20. Jahr­hun­dert ab­deckt.

2. „..so daß ein re­gel­rech­ter Vor­haut­kult ent­stand mit fei­er­li­chen Hoch­äm­tern zu Eh­ren der hei­li­gen Vor­haut und so­gar mit spe­zi­el­len Prä­pu­tium­ka­plä­nen.“ S. 283


Religion

4. Februar 2026

Gelesen : Weiteres : Impressum