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Thomas H. Macho Todesmetaphern Thomas H. Macho
Todesmetaphern.
Zur Logik der Grenz­er­fah­rung.
Suhrkamp Ver­lag 1987, 478 Sei­ten
ISBN 3-518-11419-0

Wenn wir über den Tod re­den, re­den wir über et­was, das wir nicht er­fah­ren können. Wo­rü­ber wir re­den, wenn wir über den Tod re­den, sind Vor­stel­lun­gen, die wir über den Tod ha­ben. Diese Vor­stel­lun­gen un­ter­schei­den sich; je­de Epo­che und jede Kultur hat ih­ren ei­ge­nen Tod.

Und jede Kultur setzt sich auf ihre Weise mit dem Tod aus­ei­nan­der, unter anderem, in­dem sie die Gren­zen des Le­bens aus­lo­tet. Rites de passage, Dro­gen, Mys­tik, Be­stat­tungs­ri­tua­le und Kon­zep­tio­nen des "so­zia­len" Todes im Wan­del der Mensch­heits­ent­wick­lung sind Gegenstand der Re­fle­xion in Tho­mas H. Machos Buch "To­des­me­ta­phern: Zur Lo­gik der Grenz­er­fah­rung".

Er befasst sich mit dem Konzept der To­des­me­ta­phern und ih­rem tief­grei­fen­den Ein­fluss auf unsere Wahr­neh­mung der Gren­zen des Le­bens. Macho ar­gu­men­tiert, dass diese Me­ta­phern als we­sent­li­che Werkzeuge dienen, um die Kom­ple­xi­tät der Sterb­lich­keit zu be­wäl­ti­gen und den im­ma­te­riel­len Be­reich des To­des zu ver­ste­hen.

Im Mittelpunkt von Machos Analyse steht die Vor­stel­lung, dass To­des­me­ta­phern als Brü­cken zwi­schen dem Ver­trau­ten und dem Un­be­kann­ten fun­gie­ren. Durch den Ein­satz von Spra­che und Bil­dern aus alltäglichen Er­fah­run­gen ver­su­chen wir, die un­er­gründ­li­che Rea­li­tät des Todes zu er­fas­sen. Er schlägt vor, dass die­se Metaphern ei­nen Rah­men für das Ver­ständ­nis un­se­rer ei­ge­nen Sterb­lich­keit und der Grenzen der mensch­li­chen Exis­tenz bieten.

Macho erforscht ver­schie­de­ne Ar­ten von To­des­me­ta­phern und un­ter­sucht ihren his­to­ri­schen und kul­tu­rel­len Kontext. Er hebt die all­ge­gen­wär­ti­ge Prä­senz von Schlaf­me­ta­phern her­vor, die den Tod als einen Zu­stand fried­li­chen Schlafs dar­stel­len. Die­se Metapher, so ar­gu­men­tiert Macho, spie­gelt un­se­ren Wunsch wi­der, den Tod als einen ruhigen Über­gang zu be­trach­ten, der die mit dem Un­be­kann­ten ver­bun­de­nen Ängs­te lin­dert.

Der Autor geht auch auf die Be­deu­tung von Rei­se­me­ta­phern ein, die das Leben als ei­ne Reise dar­stel­len, bei der der Tod das endgültige Ziel mar­kiert. Diese Metaphern, so schlägt er vor, un­ter­strei­chen die Vergänglichkeit der Exis­tenz und un­se­ren un­ver­meid­li­chen Ab­gang aus dieser Welt.

Darüber hinaus er­forscht Ma­cho Me­ta­phern, die den Tod mit ei­nem natürlichen Vor­gang ver­glei­chen, etwa dem Fal­len von Blät­tern oder dem Un­ter­gang der Sonne. Diese Me­ta­phern, so ar­gu­men­tiert er, betonen die zyk­li­sche Na­tur von Le­ben und Tod und legen nahe, dass der Tod kein En­de, son­dern viel­mehr eine Trans­for­ma­tion in ei­nen neu­en Seins­zu­stand ist.

In seiner Analyse betont Ma­cho die dynamische und sich ent­wi­ckeln­de Natur von To­des­me­ta­phern. Er ar­gu­men­tiert, dass es sich bei diesen Me­ta­phern nicht um sta­ti­sche Aus­drü­cke han­delt, son­dern um flie­ßen­de Konzepte, die sich an sich än­dern­de kul­tu­rel­le und ge­sell­schaft­li­che Nor­men an­pas­sen. Während sich unser Verständnis vom Tod und dem Le­ben nach dem Tod wei­ter­ent­wi­ckelt, ent­wi­ckeln sich auch die Me­ta­phern, die wir ver­wen­den, um sie dar­zu­stel­len.

Abschließend bietet Tho­mas H. Machos "To­des­me­ta­phern: Zur Lo­gik der Grenz­er­fah­rung" ei­ne tief­grei­fen­de Aus­ei­nan­der­set­zung mit To­des­me­ta­phern und ihrer Be­deu­tung für die Ge­stal­tung un­se­rer Wahr­neh­mung der Sterb­lich­keit. Durch die Un­ter­su­chung der ver­schie­de­nen For­men und Funk­tio­nen die­ser Me­ta­phern wirft Macho Licht auf un­ser anhaltendes mensch­li­ches Stre­ben, die Ge­heim­nis­se des Todes und un­se­ren Platz in der rie­si­gen Wei­te der Existenz zu ver­ste­hen.


24. April 2024

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