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Enrique Vila-Matas: Bartleby & Co. Enrique Vila-Matas
Bartleby & Co.
Aus dem Spanischen von Petra Strien
Nagel & Kimche 2001, 237 Sei­ten
ISBN 3-312-00288-5

Ein Mann beginnt ein Ta­ge­buch zu schrei­ben. Er hat ei­nen Bu­ckel, kein Glück bei den Frau­en, ist arm und ver­ein­samt. Und er ist glück­lich. Denn er be­ginnt ein Tage­buch zu schrei­ben. Als jun­ger Mann hat er einen Ro­man über die Lie­be ver­öf­fent­licht. Seit­dem sind 25 Jahre ver­gan­gen, in de­nen er nichts mehr ge­schrie­ben hat. Seine Ab­sicht ist es, An­mer­kun­gen "zu einem un­sicht­baren Text" zu schrei­ben, Anmer­kungen über das Bartleby-Syn­drom. Bartle­by, der Mann, der mit "I would prefer not to.." jedes an ihn gerichtete An­lie­gen zu­rück­weist. Aber es entsteht kein Ta­ge­buch, wie wir es erwarten wür­den, es entsteht ein Kom­pen­dium der litera­rischen Ver­wei­ge­rer, Schreib­ge­hemm­ten und Ver­nei­ner. In 86 num­me­rier­ten Absätzen, es sind die Fuß­no­ten zu dem "un­sicht­ba­ren Text", führt er uns durch die Lite­ratur der nicht ge­schrie­be­nen Bücher, der ab­ge­bro­che­nen Schrift­steller­kar­rie­ren, des horror vacui des weißen Blat­tes. Das ist amü­sant, ge­le­gent­lich tra­gisch, und es ist vor allem un­gemein interessant. Be­rühm­te Ver­stumm­te wie J.D. Salinger neben völlig Un­be­kann­ten wie Klara Whoryzek (eine Fiktion?), die 1892 einen Verlag gründete, um dort ihr einziges Werk zu ver­öf­fent­li­chen, die mit Ham­sun, Munch und Strindberg verkehrte, und die 1915 ver­hun­gerte, nach­dem sie aus Protest gegen den Krieg in den Hun­ger­streik ge­tre­ten war. Autoren aus allen Tei­len der Welt, Er­folg­rei­che und Er­folg­lo­se, aus den unter­schied­lichsten Epochen der Li­te­ra­tur­ge­schich­te, es hat etwas von einem Panop­tikum. Robert Walser und natürlich Rimbaud, Miguel de Cervantes Saavedra und Thomas de Quincey, Mau­passant und viele, viele mehr.

Das Buch beschließt eine "Klei­ne Handbibliothek für Bartle­byaner" sowie ein sehr hilf­rei­ches Per­so­nen­re­gister.

31. März 2020

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