| Kassiber |
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Leonhard Frank wurde 1882 in Würzburg als viertes Kind eines Schreinergesellen geboren und wuchs in Armut auf. Nach verschiedenen Handwerksberufen entschloss er sich 1904, Kunst zu studieren. In München fand er Anschluss an die Bohème um Erich Mühsam und Otto Gross, bevor er 1910 nach Berlin zog. Sein erster Roman, „Die Räuberbande“, wurde 1914 ein überraschender Erfolg und mit dem Fontane-Preis ausgezeichnet. Frank war überzeugter Pazifist und floh 1915 vor dem Ersten Weltkrieg in die Schweiz. 1917 veröffentlichte er dort antimilitaristische Erzählungen unter dem Titel „Der Mensch ist gut“, die in Deutschland verboten wurden und deshalb heimlich ins Land geschmuggelt werden mussten. Frank beteiligte sich 1918 an der Münchner Räterepublik um Kurt Eisner und Gustav Landauer, kehrte nach deren Niederschlagung 1919 jedoch nach Berlin zurück. Frank gehörte während der Weimarer Republik zu den führenden Schriftstellern Deutschlands, bekannt für seine expressiven, teils pathetischen Werke, von denen einige verfilmt wurden. 1933, mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, emigrierte er über mehrere Zwischenstationen in die USA; in Hollywood versuchte er sich erfolglos als Drehbuchautor. 1950 kehrte er nach Deutschland und in seine Heimatstadt Würzburg zurück, wo er jedoch nicht ohne Widerstand aufgenommen wurde. Besonders nach der Veröffentlichung seines Romans „Die Jünger Jesu“, in dem er auf eine nach wie vor starke Präsenz faschistischer Strukturen hinwies, denunzierte man ihn als Nestbeschmutzer. Seine literarisierte Autobiografie, die 1952 erschien, schildert nicht nur die Lebensstationen des Autors und Menschen, sie ist auch eine Ansammlung von Porträts und Ereignissen, mit denen Leonhard Frank auf unterschiedlichste Weise konfrontiert war. Am eindrücklichsten empfand ich die Schilderungen der zunehmenden Bedrohung durch den wachsenden Einfluss des Nationalsozialismus in der Weimarer Gesellschaft und die Verfolgung politischer Gegner und Exilanten während des Krieges. Und hier besonders die Zeit der Internierung in Frankreich sowie seine Flucht durch die von der deutschen Wehrmacht besetzten Gebiete nach Spanien. Sprachlich wirkt das häufig wie aus der Zeit gefallen, wenn auch immer wieder Perlen intensiver Schönheit aufglänzen. Trotz der literarischen Qualität fanden seine Werke in der Bundesrepublik wenig Anerkennung, während sie in der DDR gesammelt veröffentlicht wurden. Leonhard Frank starb 1961 in München. 1. Dezember 2025 |
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