Kassiber leonhard frank
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leonhard frank links wo das herz ist Leonhard Frank:
Links wo das Herz ist. Ro­man.
Nym­phen­bur­ger Ver­lags­hand­lung 1952, 260 Sei­ten.

Leonhard Frank wur­de 1882 in Würz­burg als vier­tes Kind ei­nes Schrei­ner­ge­sel­len ge­bo­ren und wuchs in Ar­mut auf. Nach ver­schie­de­nen Hand­werks­be­ru­fen ent­schloss er sich 1904, Kunst zu stu­die­ren. In Mün­chen fand er An­schluss an die Bo­hème um Erich Müh­sam und Otto Gross, be­vor er 1910 nach Ber­lin zog. Sein ers­ter Ro­man, „Die Räu­ber­ban­de“, wur­de 1914 ein über­ra­schen­der Er­folg und mit dem Fon­ta­ne-Preis aus­ge­zeich­net. Frank war über­zeug­ter Pa­zi­fist und floh 1915 vor dem Ers­ten Welt­krieg in die Schweiz. 1917 ver­öf­fent­lich­te er dort an­ti­mi­li­ta­ris­ti­sche Er­zäh­lun­gen un­ter dem Ti­tel „Der Mensch ist gut“, die in Deutsch­land ver­bo­ten wur­den und des­halb heim­lich ins Land ge­schmug­gelt wer­den muss­ten.

Frank be­tei­lig­te sich 1918 an der Münch­ner Rä­te­re­pu­blik um Kurt Eis­ner und Gus­tav Lan­dau­er, kehr­te nach de­ren Nie­der­schla­gung 1919 je­doch nach Ber­lin zu­rück.

Frank gehör­te wäh­rend der Wei­ma­rer Re­pu­blik zu den füh­ren­den Schrift­stel­lern Deutsch­lands, be­kannt für sei­ne ex­pres­si­ven, teils pa­the­ti­schen Wer­ke, von de­nen ei­ni­ge ver­filmt wur­den.

1933, mit der Macht­über­nah­me der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten, emi­grier­te er über meh­re­re Zwi­schen­sta­tio­nen in die USA; in Holly­wood ver­such­te er sich er­folg­los als Dreh­buch­au­tor. 1950 kehr­te er nach Deutsch­land und in sei­ne Hei­mat­stadt Würz­burg zu­rück, wo er je­doch nicht ohne Wi­der­stand auf­ge­nom­men wur­de. Be­son­ders nach der Ver­öf­fent­li­chung sei­nes Ro­mans „Die Jün­ger Jesu“, in dem er auf eine nach wie vor star­ke Prä­senz fa­schis­ti­scher Struk­tu­ren hin­wies, de­nun­zier­te man ihn als Nest­be­schmut­zer.

Seine li­te­ra­ri­sier­te Au­to­bio­gra­fie, die 1952 er­schien, schil­dert nicht nur die Le­bens­sta­tio­nen des Au­tors und Men­schen, sie ist auch eine An­samm­lung von Por­träts und Er­eig­nis­sen, mit de­nen Leon­hard Frank auf un­ter­schied­lichs­te Wei­se kon­fron­tiert war. Am ein­drück­lichs­ten emp­fand ich die Schil­de­run­gen der zu­neh­men­den Be­dro­hung durch den wach­sen­den Ein­fluss des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus in der Wei­ma­rer Ge­sell­schaft und die Ver­fol­gung po­li­ti­scher Geg­ner und Exi­lan­ten wäh­rend des Krie­ges. Und hier be­son­ders die Zeit der In­ter­nie­rung in Frank­reich so­wie sei­ne Flucht durch die von der deut­schen Wehr­macht be­setz­ten Ge­bie­te nach Spa­nien. Sprach­lich wirkt das häu­fig wie aus der Zeit ge­fal­len, wenn auch im­mer wie­der Per­len in­ten­si­ver Schön­heit auf­glän­zen. Trotz der li­te­ra­ri­schen Qua­li­tät fan­den sei­ne Wer­ke in der Bun­des­re­pu­blik we­nig An­er­ken­nung, wäh­rend sie in der DDR ge­sam­melt ver­öf­fent­licht wur­den. Leon­hard Frank starb 1961 in Mün­chen.


Biographisches

1. Dezember 2025

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